Entstehung

Die einzelnen Muskelgruppen werden durch eine derbe bindegewebige Schicht, den Muskelfaszien umgeben. Diese sind kaum dehnbar. Durch die vermehrte Muskeldurchblutung bei körperlicher Aktivität kommt es zu einer Volumenzunahme und damit verbunden zu einem erhöhten Druck in der entsprechenden Muskelloge. Dies führt zu Durchblutungsstörungen sowie neuromuskulären Störungen und Schmerzen.

Symptomatik

Das funktionelle Logensyndrom äußerst sich typischer Weise als Schmerzen im betroffenen Gebiet (meistens im vorderen Schienbeinbereich in der Muskelloge des M. tibialis anterior), die während einer bestimmten Zeit der (sportlichen) Belastung auftreten. Diese nehmen so stark zu, dass die sportliche Belastung beendet werden muss. In der Regel klingen die Beschwerden nach ca. 20- 30 Minuten Belastungspause wieder ab.

Beispiel:
Ein Ausdauersportler (Läufer) klagt nach 40 Minuten Tempolauf über zunehmende Beschwerden im Bereich des vorderen Unterschenkels. Hinzu kommt eine zunehmendes Schwächegefühl bei der Hebung des Fußes. Nach einer Pause von ca. 20 Minuten kann die Laufbelastung im Grundlagenbereich wieder aufgenommen werden.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch müssen verschiedene andere Beschwerdeursachen ausgeschlossen werden. U.a. kommen eine Stressreaktion der Tibia bzw. eine Ermüdungsfraktur in Frage. Auch Durchblutungsstörungen können die Beschwerden verursachen. Am häufigsten liegen die Ursachen in einer unzureichenden Trainingsplanung/ -steuerung die zu einer regelmäßigen Überlastung der Muskulatur führen.

Diagnostik

Insbesondere die Anamnese spielt beim funktionellen Logensyndrom eine entscheidende Rolle. Sie gibt erste Hinweise auf die mögliche Beschwerdeursache. Neben der klinischen Untersuchung kommen die Durchführung von Röntgenaufnahmen sowie eines MRT’s zum Ausschluss anderer Ursachen zum Einsatz. Erhärtet sich der Verdacht auf ein funktionelles Logensyndrom kann die Diagnose mittels “funktioneller Logendruckmessung” gesichert werden.

Funktionelle Logendruckmessung

Bei der funktionellen Logendruckmessung wird eine flexible Messsonde über eine Kanüle in den betroffenen Muskel eingebracht und fixiert. Nach Bestimmung des Ausgangsdruckes wird der Patient anschließend belastet. Normalerweise wird hier die Sportart bzw. Belastung gewählt, die sicher zum auftreten der Beschwerden führt. In der Regel wird hier eine Laufbandbelastung mit 7- 8 km/h (oder auch höher, je nach Trainigszustand des Patienten) mit leichter Steigung gewählt. Die Belastung wird so lange durchgeführt, bis die Beschwerden zum Abbruch führen. Anschließend erfolgt ein Ablesen der Druckwerte direkt nach der Belastung sowie nach 5, 10, 15 und 20 Minuten. Liegt auch 20 Minuten nach dem Ende der Belastung noch ein pathologisch erhöhter Druckwert vor, kann vom Vorhandensein eines funktionellen Logensyndroms ausgegangen werden.

Die Behandlung des funktionellen Logensyndroms ist zunächst konservativ. Mit physikalischen und physiotherapeutischen Massnahmen wird versucht, den Muskeltonus zu senken und den betroffenen Muskel zu dehnen. Zusätzlich können muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden. Bei der sportlichen Belastung sollte auf ein ausreichendes Grundlagenausdauertraining geachtet werden.

Bringt dies keine Besserung der Beschwerden, kann die betroffene Muskelloge minimalinvasiv mittels endoskopisch assistierter Logenspaltung eröffnet werden.

Behandlung

Dabei wird die Faszie des betroffenen Muskels über einen ca. 5cm langen Hautschnitt komplett im gesamten Bereich des Unterschenkels “aufgeschnitten”. Nach der Operation ist eine schmerzadaptierte Vollbelastung möglich. Nach Abschluss der Wundheilung wird unter physiotherapeutischer Begleitung mit dem langsamen Belastungsaufbau begonnen.

Unser Arzt für diese Therapie: